„Mit Licht gestalten“ – ein Interview mit dem Fotografen Tobias Jeschke aus Halle

 
Bild von Tobias Jeschke mit Sonnenbrille und verschränkten Armen11. Oktober 2013

Der 38-jährige Fotograf Tobias Jeschke aus Halle erzählt im Interview vom Sinn, Verschiedenes auszuprobieren und offenbart seine Leidenschaft für alle wassernahen Motive, die die Saalestadt bietet.


 

Nenn doch mal dein absolutes Lieblingsmotiv in Halle?

Das ist eigentlich Halle „an der Saale“ – im wahrsten Sinne des Wortes. Man kann sagen, dass mir alles, was am Wasser liegt, besonders gut gefällt. Zu nennen wären da beispielsweise die Saalefelsen und viele Landschaften weiter im Nordwesten. Schöne Wiesen, Auenwälder und spannende Ansichten gibt es auch auf der Peißnitz oder der Rabeninsel.
Bei diesen relativ dichten Plätzen muss man dann trotzdem genau nach den wertvollen Details suchen, um ein gelungenes Bild zu bekommen. Das kann recht herausfordernd sein.

 

Kalenderbild 2012 von Tobias Jeschke: Baumreihe und Spielplatz im Gegenlicht
Fotografie von Tobias Jeschke aus dem Halle – Kalender 2012

Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Angefangen habe ich schon als Kind – damals habe ich noch analog fotografiert. Mit 14 Jahren begann ich, Schwarz-Weiß-Fotos zu entwickeln und zu vergrößern. Noch neben dem Studium bekam ich dann meine ersten kleineren Fotoaufträge. Diese Gelegenheiten nutzte ich zum Üben und Ausprobieren.
Bis heute macht es mir Spaß beim fotografieren Menschen kennenzulernen und Ihre unterschiedlichen Seiten zum Vorschein zu bringen.

 

Welche Kameras benutzt du?

Am liebsten arbeite ich digital, weil es mir die Technik ermöglicht, effektiv einen bestimmten Bildeindruck zu erreichen. Zudem können die Fotos schneller auf den Rechner zur Bearbeitung und Archivierung übertragen und Kunden geliefert werden.
Im Moment fotografiere ich trotz ihres Alters und der manchmal etwas hakeligen Technik hauptsächlich mit der Canon EOS 5D Mark II. Diese ist relativ klein gebaut und halbwegs angenehm über längere Zeit tragbar. Je nach Aufgabe und Motiv arbeite ich auch mit speziellen Kameras oder benutze mehrere Geräte parallel. Habe ich mal keine bessere Kamera dabei und sehe eine bemerkenswerte Szene, hole ich trotz der technischen Einschränkungen auch mal das Handy zum fotografieren hervor.

 

Hast du eine bestimmte Kameratechnik, die du im Moment ausprobierst?

Ich experimentiere gerade ein wenig mit Landschaftspanoramen und virtuellen Rundgängen, auch in Verbindung mit Menschen. Die Herausforderung bei Landschaftsfotos liegt in der Planung des Blickwinkels und des Lichts. Oft braucht man viel Geduld und etwas Glück, um den richtigen Moment abzupassen. In erster Linie geht es mir bei allen unterschiedlichen Anforderungen und aller verwendeten Technik aber um das fertige Bild und das Konzept dahinter.

 

Welchen Fototipp würdest du immer wieder weitergeben?

Da gibt es einige. Ich probiere gern viele Sachen aus und lasse mich von meiner Umgebung inspirieren. Was ich den Leuten mitgeben würde ist, dass man versuchen sollte, nicht zu beschränkt an eine Sache heranzugehen. Wichtig ist es Augen und Ohren offen sowie den Kopf frei zu halten: erst eine gute Vorbereitung betreiben und alles verinnerlichen, dann aber keine Angst haben, Ideen frei fließen zu lassen.
Unabhängig davon finde ich es ganz wichtig, nicht zu vergessen, dass Fotografen mit Licht gestalten und aktiv arbeiten. Licht ist das erste Mittel für tolle Fotos.

 

Welches aktuelle Fotoprojekt treibt dich rum?

Momentan liegt mir ein Fotoprojekt mit Masken sehr am Herzen. Ein Freund von mir ist Ethnologe, reist um die ganze Welt und besitzt bereits einen großen Fundus vor allem ostasiatischer Masken. Er fragte mich, ob ich die Masken für ihn fotografieren könne, um sie später auch in einem Buch zu veröffentlichen. Das klang nach einer spannenden Aufgabe.
Für die Umsetzung haben wir schon ein paar Ideen, was technisch und vom Gesamtbild gut funktionieren könnte.

 

Wie sehen eure ersten Vorstellungen für die fotografische Umsetzung des Maskenprojekts aus?

Eine einfache Variante ist zum Beispiel, Menschen mit und ohne Maske zu fotografieren und dabei zu fragen, was Ihnen an Halle gefällt oder missfällt. Mithilfe der Maske äußern sie dann vielleicht Dinge, die sie sonst nicht offen sagen würden. Am Ende wären die Aussagen nicht eindeutig zuzuordnen.
Mit den Masken ist es auch möglich, total abgefahrene Sachen zu machen. Sie können den Ausdruck eines Menschen und seine Selbstwahrnehmung ganz und gar verändern. Setzt man die Beleuchtung richtig ein, sehen sie richtig lebendig aus. Aber ich möchte nicht zuviel verraten…

 


TOBIAS JESCHKE

Tobias Jeschke wurde 1975 in Leipzig geboren und wuchs in Halle (Saale) auf. Schon als Kind beschäftigte er sich mit der Fotografie. Der gelernte Diplom-Psychologe ist seit 2010 selbstständiger Fotograf und im halleschen Künstlerhaus „Goldener Pflug“ am Alten Markt 27 tätig. Jeschke sieht seinen fotografischen Schwerpunkt in der People-Fotografie. Im Rahmen seiner Selbständigkeit gibt er Fotokurse für Jugendliche in Leipzig. Eine Auswahl seiner Fotografien sind auf seiner Website fotoist und bald auch auf Facebook zu sehen. Ab und an finden zudem Ausstellungen, Workshops und Aktionen im Künstlerhaus statt.